DIE LINKE fordert Arbeitsgruppe gegen Wohnungslosigkeit

13. Dezember 2016  Antrag, News
Obdachloser auf einer Parkbank

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe schätzt, dass die Zahl der Wohnungslosen zwischen 2015 und 2018 bundesweit um 60% steigen wird. Für Neuss dürfte diese Zahl eher zu niedrig gegriffen sein. Zu Jahresbeginn 2015 war es noch eine Ausnahme, wenn mehr als 20 Personen in einer Nacht Zuflucht in der Notschlafstelle „Hin und Herberge“ suchten. Im November 2016 lag die durchschnittliche Belegung bereits zwischen 34 und 37 Personen pro Nacht; Tendenz: steigend.

„Wir müssen davon ausgehen, dass die gerade erst erweiterte ‚Hin und Herberge‘ spätestens im Frühjahr 2017 wieder an der Kapazitätsgrenze sein wird“, so Vincent Cziesla, sozialpolitischer Sprecher der Fraktion DIE LINKE.

Doch die Übernachter in der Notschlafstelle bilden nur die Spitze des Eisberges. Mehr als 60 Prozent aller Wohnungsverluste finden „kalt“ statt: ohne Beteiligung eines Amtes, eines Gerichtsvollziehers oder einer Hilfseinrichtung. Viele landen nicht direkt auf der Straße oder in Unterkünften, sondern schlagen sich bei Freunden und Bekannten durch, wechseln ihre Schlafstelle täglich und werden nicht durch Hilfsangebote erreicht.

„Wir haben uns im Sozialausschuss nun zwei Jahre lang immer wieder mit diesem Thema beschäftigt und auch fraktionsübergreifend wichtige Beschlüsse auf den Weg gebracht. Doch das reicht nicht! Wir wissen immer noch nicht, wie viele wohnungslose Menschen es in Neuss gibt und wie viele jeden Monat hinzukommen. Wir wissen fast gar nichts über die Situation wohnungsloser Frauen, obwohl dieses Thema mehrfach diskutiert und hinterfragt wurde. Dabei ist das Armutsrisiko gerade bei Alleinerziehenden besonders hoch. Wir haben in dieser Stadt kein realistisches Bild vom Problem Wohnungslosigkeit“, erläutert Cziesla.

Deshalb fordert DIE LINKE nun die Einrichtung einer Arbeitsgruppe. Diese Gruppe soll alle verfügbaren Informationen zusammenführen und auswerten, um gemeinsam mit der Verwaltung eine Strategie gegen die Entstehung und Verfestigung von Wohnungslosigkeit zu entwickeln.

„Wir müssen uns ansehen, welche Probleme es gibt und welche Angebote wir bereits haben. Dann müssen die Lücken geschlossen werden. Derzeit laufen wir der Entwicklung hinterher und schaffen immer mehr Notlösungen, indem wir die Obdachlosenunterkünfte ausbauen. Wir wollen in diesem Bereich mehr vorausschauendes Handeln und Denken etablieren.“

Die Arbeitsgruppe wird vor der Aufgabe stehen, ein mittel- und langfristiges Konzept gegen Wohnungslosigkeit zu entwerfen. Bis es soweit ist, müssen natürlich auch weiterhin kurzfristige Überbrückungslösungen beschlossen werden, um die größten Gefahren für die wohnungslosen und von Wohnungslosigkeit bedrohten Menschen in Neuss abzuwenden.

Antrag: Arbeitsgruppe gegen Wohnungslosigkeit

 

(Bild auf dieser Seite: copyright by schubalu  / pixelio.de)


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