DIE LINKE fordert ein Ende von Bundeswehrwerbung bei Berufsmessen

21. September 2015  Antrag
Soldaten mit Gewehr

Die Bundeswehr wirbt in Neuss bei verschiedenen Berufsmessen für sich. Sie ist regelmäßig bei der Veranstaltung „Beruf Konkret“, die von der Sparkasse Neuss ausgerichtet wird, vertreten. In den vergangenen Jahren nahm die Bundeswehr auch an der Ausbildungsmesse „Check In“ der IHK teil. Die Ratsfraktion DIE LINKE fordert die Stadtverwaltung in einem Antrag zur nächsten Ratssitzung auf, keine Veranstaltungen mehr zu unterstützen, bei denen für die Bundeswehr geworben wird.

Das junge Zielpublikum solcher Messen muss die Gelegenheit haben, sich in einem geschützten Raum über Ausbildungsmöglichkeiten zu informieren.
Die Bundeswehr setzt jedoch auf einseitige Werbung für den „Beruf“ Soldat und lockt junge Menschen mit scheinbar attraktiven Arbeits- und Ausbildungsbedingungen. Hierdurch wird suggeriert, dass die Bundeswehr ein „normaler“ Ausbildungsbetrieb ist und der Beruf Soldat, ein Beruf wie jeder andere. Diese Vorstellung wird durch die Realität ad absurdum geführt, beinhaltet das Soldatendasein doch die Wahrscheinlichkeit eines frühen und gewaltsamen Todes oder schwerer und schwerster Verletzungen, sowie die Verpflichtung, an der Tötung von Menschen teilzunehmen. Die Bundeswehr informiert auf Messen nicht oder nur unzureichend über die genannten Risiken und Verpflichtungen. Die Teilnahme von Kriegsgegnern und Friedensinitiativen an solchen Berufsmessen ist meist nicht erwünscht. Eine umfangreiche und objektive Information über die Bundeswehr und das Soldatendasein ist unter solchen Bedingungen nicht gegeben.

Eine bedenkliche Schieflage besteht in der Stadt Neuss auch dadurch, dass kritische Veranstaltungen zum Thema Bundeswehrwerbung, wie die von „terre de hommes“ geplante Veranstaltung: „Friedensbildung statt Bundeswehr an Schulen“ im Mai, durch den Bürgermeister verhindert werden, während die Bundeswehr selbst bei zahlreichen Gelegenheiten für sich werben darf.

Die Stadt Neuss sollte daher ihrer moralischen Verpflichtung für das junge Zielpublikum solcher Veranstaltungen gerecht werden und grundsätzlich auf eine Zusammenarbeit mit der Bundeswehr verzichten. Dies beinhaltet auch die Teilnahme an Veranstaltungen, auf denen für die Bundeswehr geworben wird. Dass die Bundeswehr kein „normaler“ Arbeitgeber ist, wird auch dadurch deutlich, dass sie weiterhin gegen die UN-Kinderrechtskonvention verstößt, indem sie Minderjährige als angehende Soldaten rekrutiert. Die Stadt Neuss muss die Konsequenzen aus dieser anhaltenden Verletzung der Kinderrechte ziehen und Verantwortung übernehmen!

Antrag zur Ratssitzung am 25.09.2015
Ablehnung von „Bundeswehreinsätzen“ bei Berufsmessen in Neuss

Der Rat möge beschließen:

1.) Der Rat der Stadt Neuss fordert die in Trägerschaft befindliche Sparkasse Neuss auf, Ausbildungsmessen wie „Beruf Konkret“ und andere Informationsveranstaltungen zukünftig ohne Beteiligung der Bundeswehr durchzuführen. Die von der Stadt vorgeschlagenen Verwaltungsratsmitglieder werden dazu angehalten, sich für eine Öffentlichkeitsarbeit ohne Bundeswehr einzusetzen.

2.) Der Rat der Stadt Neuss fordert die IHK auf, ihre Berufsmesse „Check-In“ zukünftig ohne Beteiligung der Bundeswehr durchzuführen.

3.) Die Stadt Neuss unterstützt zukünftig keine Informationsveranstaltungen, Berufs- oder Ausbildungsmessen, auf welchen für die Bundeswehr geworben wird. Die Stadt Neuss übernimmt insbesondere nicht mehr die Planung oder Bewerbung solcher Veranstaltungen, stellt keine Räume oder Personal und wird nicht Partner dieser Veranstaltungen. Die Stadt Neuss nimmt an Veranstaltungen, auf denen für die Bundeswehr geworben wird, nicht teil.

Begründung:

Die Bundeswehr nimmt in Neuss an Veranstaltungen teil, auf denen für verschiedene Ausbildungsträger und Arbeitgeber geworben wird. Hierzu zählen die Berufsmesse „Beruf Konkret“ der Sparkasse Neuss, sowie die Ausbildungsmesse „Check-In“ der Industrie- und Handelskammer, an welcher die Stadt Neuss als Partner teilnimmt. Insbesondere jungen Menschen, die nach einer Orientierung in der Berufswelt suchen, wird hierdurch suggeriert, dass die Bundeswehr ein „normaler“ Ausbildungsbetrieb ist und der Beruf Soldat, ein Beruf wie jeder andere. Diese Vorstellung wird durch die Realität ad absurdum geführt, beinhaltet das Soldatendasein doch die Wahrscheinlichkeit eines frühen und gewaltsamen Todes oder schwerer und schwerster Verletzungen, sowie die Verpflichtung, an der Tötung von Menschen teilzunehmen. Die Bundeswehr informiert auf Messen nicht oder nur unzureichend über die genannten Risiken und Verpflichtungen und ist darum bemüht, als attraktiver Arbeitgeber aufzutreten. Die Stadt Neuss sollte daher ihrer moralischen Verpflichtung für das junge Zielpublikum solcher Veranstaltungen gerecht werden und grundsätzlich auf eine Zusammenarbeit mit der Bundeswehr verzichten. Dies beinhaltet auch die Teilnahme an Veranstaltungen, auf denen für die Bundeswehr geworben wird.

Dass die Bundeswehr kein „normaler“ Arbeitgeber ist, wird auch dadurch deutlich, dass sie weiterhin gegen die UN-Kinderrechtskonvention verstößt, indem sie Minderjährige als angehende Soldaten rekrutiert. Die Stadt Neuss muss die Konsequenzen aus dieser anhaltenden Verletzung der Kinderrechte ziehen und Verantwortung übernehmen.

Antrag als .pdf-Datei: Ablehnung von „Bundeswehreinsätzen“ bei Berufsmessen in Neuss

 

(Bild auf dieser Seite: copyright by Gabi Eder  / pixelio.de)


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