Gewerbliches Krematorium auf dem Hauptfriedhof? – LINKE verwundert über Vorgehen der Stadtverwaltung

12. Juni 2018  Antrag, News

Das Privatunternehmen „Respectrum Krematorien“ möchte auf dem Neusser Hauptfriedhof ein gewerbliches Krematorium errichten. Die Stadtverwaltung hält eine „Fläche für die künftige Friedhofsentwicklungsplanung“ für verzichtbar und empfiehlt dem Ausschuss für Umwelt und Grünflächen das Vorhaben grundsätzlich zu befürworten. Es sollen lediglich noch die Machbarkeit und die wirtschaftlichen Auswirkungen auf den Friedhofsbetrieb geprüft werden.

„Hier wird das Pferd von hinten aufgezäumt“, sagt Vincent Cziesla von der Ratsfraktion DIE LINKE, „Die erste Frage überhaupt muss doch lauten: Braucht Neuss ein Krematorium? Was ist von den Zahlen, die der Investor zur Verfügung stellt, zu halten?“

 

„Respectrum Krematorien“ rechnet mit einer weiteren Zunahme der Sterbefälle in den kommenden Jahren. Doch auch die Zahl der Krematorien ist in Deutschland gestiegen.

Zeitungsberichte aus den vergangenen Jahren weisen auf einen regelrechten Verdrängungswettbewerb in der Branche hin; mit Sammeltransporten, Provisionszahlungen an Bestatter und zunehmender Industrialisierung des Kremierungsprozesses. Eine Kapitalschlacht um die Körper der Verstorbenen wollen wir nicht auch noch von Neuss aus vorantreiben.“

Die Fraktion DIE LINKE beantragt deshalb, dass die Stadtverwaltung in einem ersten Aufschlag prüft, ob die Errichtung eines Krematoriums tatsächlich einen in Neuss vorhandenen Bedarf auffangen würde und ob ein solches Krematorium nicht auch von der Stadt selbst errichtet werden könnte.

„Falls es einen Bedarf gäbe, müsste dann im zweiten Schritt überlegt werden, wie diesem Bedarf entsprochen werden kann. Dafür ist nach unserer Auffassung jedoch kein privates Unternehmen, sondern in erster Linie die Stadt zuständig. Wenn wir ein Krematorium brauchen, dann soll es im Rahmen der Daseinsvorsorge von der Stadt selbst errichtet und betrieben werden.“

Im übrigen hält DIE LINKE weiterhin an der Auffassung fest, dass die Neusser Friedhöfe in vielen Bereichen umfassend reformiert werden müssen. Es fehlt schlicht an einem Plan für die Zukunft. Dies geht schon aus der Tatsache hervor, dass eine Mehrheit des Rates bisher jede Debatte über den zukünftigen Flächenbedarf der Friedhöfe verweigert hat.

„Die Verwaltung teilt nun je nach Tageslage, zum Beispiel nach der Anfrage eines Investors, mit, dass zu viele Friedhofsflächen zur Verfügung stehen. Wenn es so weiter geht, dann bleibt die Neusser Friedhofspolitik Stückwerk – zum Nachteil des Pflegezustandes und der Würde der Anlagen und zum Schaden der Gebührenzahler und Nutzer.“

Unser Antrag (.pdf): Prüfung der Vorraussetzungen eines Krematoriums (12.06.2018)


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