Heinrich Glasmacher und der Widerstand auf der M 612 – DIE LINKE fordert Benennung einer Straße in Holzheim

12. Februar 2016  Antrag, News

Heinrich Glasmacher war ein Widerstandskämpfer aus Holzheim, dessen Tat in der Nachkriegszeit in BRD und DDR für Aufsehen sorgte. In seiner Heimatstadt erinnert jedoch nichts an den jungen Maschinenmaat, der sein Leben verlor, als er versuchte einen illegalen Kriegsakt zu verhindern und seine Kameraden sicher nach Hause zu bringen. Das will die Ratsfraktion DIE LINKE nun ändern: in einem Antrag zur nächsten Sitzung des Kulturausschusses fordert sie, dass eine Straße oder ein Platz in Holzheim nach dem Widerstandskämpfer benannt werden.





Die Geschichte von Heinrich Glasmacher:

Heinrich Glasmacher wurde am 21. Februar 1924 in Neuss geboren. In der Endzeit des zweiten Weltkrieges war er Maschinenmaat auf dem in Dänemark stationierten Minensuchboot M 612. Am 5. Mai 1945, einen Tag nach der Teilkapitulation der Wehrmacht im Nordwesten, sollte die M 612 nach Kurland fahren, um dort eingeschlossene Truppen der Wehrmacht zu evakuieren. Dieser Auftrag war ein völlig aussichtsloses „Himmelfahrtskommando“ und außerdem rechtswidrig, da die Wehrmacht in diesem Gebiet bereits kapituliert hatte.

Nach dem Auslaufen des Minensuchers am 5. Mai erfuhren die Besatzungsmitglieder das Ziel ihrer Fahrt. Um etwa 8:30 Uhr forderte der damals 21-jährige Heinrich Glasmacher den Kommandanten des Minensuchers auf, die Waffenstillstandsvereinbarungen einzuhalten und umzukehren. Als dieser ablehnte, nahm die Mannschaft die Offiziere fest, Glasmacher übernahm das Kommando und das Boot nahm Kurs auf Flensburg.

Auf dem Weg wurde es von zwei Schnellboten abgefangen, unter Androhung von Waffengewalt besetzt und nach Sönderborg eskortiert. Noch am gleichen Tag wurden 20 Besatzungsmitglieder vor einem hastig zusammengestellten Kriegsgericht angeklagt. Die Verhandlung fand auf der M 612 statt und dauerte weniger als eine Stunde. Glasmacher und zehn seiner Kameraden wurden zum Tode verurteilt und noch in der Nacht auf den 6. Mai erschossen.

Ihre Leichen wurden anschließend von vier zu Zuchthausstrafen verurteilten Besatzungsmitgliedern mit Gewichten beschwert und in den Alssund geworfen.

Die Widerstandshandlung Heinrich Glasmachers und seiner Kameraden wurde nach dem Kriegsende von verschiedenen Medien bekannt gemacht. Siegfried Lenz griff die Ereignisse auf der M 612 in seiner Erzählung „Ein Kriegsende“ auf; der mehrteilige Fernsehfilm „Rottenknechte“ von 1971 schilderte die Ereignisse mit Heinrich Glasmacher im Mittelpunkt.

Der Vorschlag, seinen Namen auf der Gedenktafel der Neusser Widerstandskämpferinnen und Widerstandskämpfer am Rathaus aufzunehmen, wurde vor Jahren mit der Begründung abgelehnt, dass Holzheim 1945 noch nicht zu Neuss gehört habe. Heinrich Glasmacher soll nun endlich auch in seiner Heimat Holzheim gewürdigt werden. Die Benennung einer Straße oder eines Platzes nach ihm soll auch davor bewahren, dass er und seine Geschichte in Vergessenheit geraten.

Unser Antrag:

Benennung einer Straße oder eines Platzes in Holzheim nach Heinrich Glasmacher

 

Bild auf dieser Seite: Copyright by VVN-BdA


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