Städtische CO2-Bilanz: „Lichtjahre von allen Klimazielen entfernt“

18. Februar 2020  News

In der vergangenen Sitzung des Umweltausschusses wurde die städtische Energie- und CO2-Bilanz für die Jahre 2014 bis 2018 vorgestellt. Eine erste Auswertung ergibt: viel Stagnation, beunruhigende Trends und nur wenige Lichtblicke.

„In Neuss hat sich in den vergangenen Jahren erstaunlich wenig getan“, erklärt Vincent Cziesla, Stadtverordneter der Linksfraktion, „Von der Einhaltung unserer Klimaziele, selbst von den weniger ambitionierten der Vergangenheit, sind wir noch Lichtjahre entfernt.“

Um das im Jahr 2013 festgelegte Ziel einer Reduktion der Treibhausgasemissionen um 25 Prozent bis zum Jahr 2030 zu erreichen, hätten die Emissionen um durchschnittlich 1,56 Prozent im Jahr sinken müssen. Stattdessen sanken sie jedoch nur um 0,86 Prozent.

„Wir überschreiten die Emissions-Menge für das alte 25-Prozent-Ziel um derzeit 45 Prozent. Und dieses Ziel ist bei weitem nicht ausreichend. Neuss soll bis zum Jahr 2035 klimaneutral werden! So wird das nichts“, so Cziesla.

Positiv bewertet die Fraktion DIE LINKE, dass insgesamt mehr Energie aus erneuerbaren Quellen genutzt wurde. Jedoch führte dies nicht zu einem Rückgang bei der Nutzung von Energie aus fossilen Brennstoffen: die Braunkohle stagniert, und die Energiegewinnung aus Erdgas und Steinkohle haben teils deutlich zugenommen. „Besonders die privaten Haushalte scheinen vermehrt auf Sonnenenergie zu setzen. Bei den kommunalen Gebäuden und in der Wirtschaft ist da noch viel Luft nach oben!“

Beunruhigend ist, dass der Energieverbrauch und die Emissionen gerade in der kommunalen Infrastruktur gestiegen sind. „Das überrascht doch ein wenig. Dort wo die Stadt den größten Einfluss hat, zeigt der Trend in die falsche Richtung“, sagt Cziesla.

Auch beim Thema Verkehr überwiegen die Schatten das Licht: Zwar ist der gesamte CO2-Ausstoß in diesem Sektor leicht gesunken, doch die Aufteilung des Energieverbrauchs stimmt nicht allzu optimistisch:

„Der Motorisierte Individualverkehr und der Straßengüterverkehr nehmen weiter zu. Beim ÖPNV und bei Verkehren auf der Schiene sehen wir einen leichten Rückgang im Energieverbrauch. Das kann natürlich auch auf technische Neuerungen zurückzuführen sein, doch insgesamt lässt sich daraus schon ablesen, dass der massive Ausbau dieser klimafreundlichen Verkehrsarten noch nicht begonnen hat. An diesem Trend muss dringend etwas geändert werden, aber das funktioniert nur, wenn Gewerbegebiete nicht mehr an Autobahnen, sondern vorrangig an Schienenwege angeschlossen werden und der öffentliche Transport in jedem Quartier als erste Lösung mitgedacht und dann auch bereitgestellt wird. Außerdem müssen die Tickets für Bus und Bahn deutlich günstiger werden.“

Die Stadtverwaltung verweist darauf, dass das ursprüngliche Ziel bis 2030 „durch erheblich verstärkte Einsparungen von CO2“ noch erreicht werden könnte. Doch das reicht nicht.

„Das alte Klimaziel bis 2030 ist viel zu niedrig angesetzt. Wir müssen es mit der Klimaneutralität ernst meinen, wenn wir überhaupt einen Beitrag zur Verlangsamung der globalen Erwärmung leisten wollen“, so Cziesla, der weiter ausführt: „Dafür müssen jetzt Maßnahmen ergriffen und die Anstrengungen massiv ausgedehnt werden. CDU und Grüne haben beschlossen, in diesem Jahr kein Geld für zusätzliche Klimaschutzmaßnahmen zur Verfügung zu stellen. Wenn wir nun die Bilanz betrachten, sollte auch dem letzten Stadtverordneten klar sein, dass damit der völlig falsche Weg eingeschlagen wurde. Nun müssen all die politischen Akteure, die sich noch weigern, über ihren Schatten springen. Sonst stehen wir in wenigen Jahren vor dem Trümmerfeld einer Klimapolitik, die mit vielen Versprechungen begann und dann unaufholbare Rückstände produzierte.“

Hier finden Sie die gesamte CO2-Bilanz zum Download (externer Link)


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